Mit Baumhäusern gegen Bagger

Dienstag, 17 Mai 2016

Geschichten vom Widerstand im rheinischen Braunkohlerevier

Mit Baumhäusern gegen Bagger

Verlag: Packpapier Verlag
ISBN: 978 3 93150455 7

(erschienen: 01.08.2015; broschiert; Seiten: 197; im Mittelteil Fotos; Preis: 16,00 €)

Gerade erst ein einziges Mal habe ich eine von Michael Zobels geführten Waldwanderungen durch den Hambacher Forst mitgemacht.

Nun hege ich ohnehin generell eine abgöttische Liebe zu Wäldern und der Natur. Aber die Atmosphäre, die im Hambacher Forst durch die Hingabe der Aktivist*innen entstanden ist, durch den altehrwürdigen Baumbestand, sowie die viellebendige, unterschiedliche Fauna und Flora, die allesamt abhängig voneinander sind – und von der wir abhängig sind – haben mich seit der Wanderung total in ihren Bann gezogen!

Mit Baumhäusern gegen Bagger

Der Hambacher Forst ist ein Bürgerwald, oder auch quasi der letzte „Urwald“ Europas, der bereits seit 12.000 Jahren gewachsen ist. Einst 5.500 Hektar groß, hat ihn RWE mit seinem Braunkohleabbau auf mittlerweile maximal 1.100 Hektar zugrunde gerodet.
Um wenigstens dieses letzte Fleckchen uralten Baumbestandes vor der rücksichtslosen, alles vernichtenden Zerstörungswut des Energieriesen zu schützen, setzen sich seit 2012 viele Menschen aus allen Ländern besonders durch ihren Einsatz vor Ort im Forst mit Verstand und ihrem eigenen Leben für jeden einzelnen Baum ein!

Es gab viele Medienberichte über die Auseinandersetztungen zwischen RWE, Polizei und den Widerständler*innen. Doch das Bild, welches unwissenden Zeitungslesern, Fernsehzuschauern und Radiohörern vermittelt wird, ist bisher alles andere als objektiv und gerecht. Ganz im Sinne des Wirtschaftspartners RWE werden Aktivist*innen als gewaltbereit, verrückt und kriminell dargestellt.

Mit Baumhäusern gegen Bagger

Dass es sich in Wirklichkeit ganz anders verhält und welche Motivation, welche Gesinnung, welche Erkenntnisse und Einstellungen sich hinter diesem Aktivismus stecken, das kann man nun ganz einfach und ausgiebig in dem Buch „Mit Baumhäusern gegen Bagger“ nachlesen.

Unter diesem Titel kommen Baumbesetzer, Bewohner von bereits zerstörten Dörfern und anderen mit diesem Widerstand solidarischen Menschen, wie auch der Waldpädagoge Michael Zobel selbst zu Wort.
Sie teilen mit uns ihre Erlebnisse und Erfahrungen, sowie ihr Wissen über RWE und Braunkohlenutzung, Menschenrechte, Klimawandel, das Leben in Baumhäusern, im Wald und die Folgen von Repressionen durch den Staat.

Aufgeteilt ist das Buch in sechs Kapitel. Es beginnt mit Sachwissen über den Hambacher Forst, gefolgt von Fakten über RWE, dessen Kohleabbau und deren Folgen, wonach über den Widerstand in Wald und Umgebung erzählt wird. Anschließend gehen die Autoren dieses Buches auf die verschiedensten Repressionen ein, die Aktvist*innen sowohl im Hambacher Forst, als auch überall dort, wo Widerstand gegen eine ungerechte, eigentlich illegale, aber im mindesten illegitime, vom Staat gedeckte Willkür ausgeübt wird, erfahren müssen und wie man damit umgehen sollte.

Schließlich kann der Leser im fünften Kapitel einen Einblick in die Vorbereitungen zur Baumbesetzung, in das Leben im Wald und einen wagen Alltag dort bekommen. Mit dem Anhang, welches das Nachwort, Quellenverweise, vernetzte Projekte und ein Medienverzeichnis aufführt, schließt das Buch ab.

Im Mittelteil kann man durch seitenweise Fotos einen bildhaften Eindruck vom Wald, von der Vernichtung dessen und vom Leben in den Bäumen bekommen.

„Mit Baumhäusern gegen Bagger“ ist dermaßen umfassend und mit Wissen und Erfahrungen angefüllt, das habe ich vom alleinigen Anblick des schlichten äußeren Umfangs nicht vermutet. Dieses Buch hat mich schlichtweg überwältigt. Nun ist mein Eindruck und meine Wertschätzung gegenüber diesen Menschen noch mehr gewachsen!

Mit Baumhäusern gegen Bagger

Habe ich bisher schon so oft die Menschheit (mich selbst eingeschlossen) für das verflucht und gehasst, was wir der Erde und all ihrem Leben darauf und darin angetan haben, so kann ich behaupten, dass Menschen, wie solch engagierte Aktivist*innen, mit ihren Erkenntnissen und Einstellungen und mit ihrer eigenen Bescheidenheit, meine ganze Bewunderung gehört!

Meine aufrichtige Wertschätzung möchte ich in diesem Zusammenhang auch dem Packpapier Verlag aussprechen, dessen Erzeugnisse und Veröffentlichungen so umweltfreundlich gestaltet werden, wie es nur möglich ist! Die gewählten Materialien, die Einbindung, ja schon allein die Themen, die durch diesen Verlag Publikum finden, sind ausgesprochen sorgfältig und rücksichtsvoll ausgewählt!

„Mit Baumhäusern gegen Bagger“ kann man auch online lesen. Aber wer sich dafür entscheidet, eine gedruckte Ausgabe in der Hand zu halten, wird ein die Thematik respektierendes Format erhalten!

Mit Baumhäusern gegen Bagger

Absolut authentisch und glaubwürdig, ist meine persönliche Erkenntnis zu diesem Widerstand, zu dem Mut und Engagement der Menschen, welche sich friedvoll und aufrichtig für den Erhalt des Hambacher Forstes einsetzen.

Bitte! Schenkt eure Zeit und Aufmerksamkeit diesen Zeilen und erfahrt selbst, wie fragil unsere Welt ist, die wir mit Konsum und Leichtgläubigkeit aufrecht zu halten versuchen!

Lest dieses Buch!

Über den/die Autor/in:

Linda

Linda

Hey, ich bin Linda. 1979 wurde ich in Berlin geboren und auch nachdem meine Familie mit mir 1989 nach Nordrhein Westfalen zog, wo ich auch immer noch lebe, schlägt in mir ein Berliner Herz, was man deutlich hören kann, sobald ich mich aufrege. Seitdem ich meiner selbst bewusst bin, gehört meine Liebe und die Wertschätzung der Tiere als gleichberechtigte Lebewesen für mich zu meiner Welt dazu.

Und doch brauchte es rund 35 Jahre, ehe ich im Jahre 2014 erkannte, dass ich mit der veganen Lebensweise endlich selbst meinen eigenen Anteil am Unrecht, den wir Menschen tagtäglich an den Tieren begehen, auf ein unvermeidliches Minimum reduzieren kann....

Kommentare (1)

  • Andreas Tekath

    Andreas Tekath

    16 Juli 2016 um 11:43 |
    Hallo Linda,

    danke für deinen beitrag, ohne den hätte ich wohl nie gewusst dass es dieses buch gibt...liebe vegane grüsse aus grefrath!

    andreas

    antworten

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