Chris Moser: „Die Kunst, Widerstand zu leisten“

Donnerstag, 09 März 2017

„M.E.“, „Viva la Rebellion – Ein Aufruf zum Widerstand“

Ideologie, die: *

1. an eine soziale Gruppe, eine Kultur o.Ä. gebundenes System von
    Weltanschauungen, Grundeinstellungen und Wertungen
2. politische Theorie, in der Ideen der Erreichung politischer und
    wirtschaftlicher Ziele dienen (besonders in totalitären Systemen)
3. weltfremde Theorien

radikal: *

1. a) von Grund aus erfolgend, ganz und gar, vollständig, gründlich
    b) mit Rücksichtslosigkeit und Härte vorgehend, durchgeführt o.Ä.
2. eine extreme politische, ideologische, weltanschauliche Richtung vertretend
    [und gegen die bestehende Ordnung ankämpfend]

militant: *

mit bewusst kämpferischem Anstrich für eine Überzeugung eintretend

Provokation, die: *

1. (bildungssprachlich) Herausforderung, durch die jemand zu [unbedachten]
    Handlungen veranlasst wird oder werden soll

Widerstand, der: *

1. Das Sichwidersetzen, Sichentgegenstellen
2. Kurzform für: Widerstandsbewegung
3. a) etwas, was jemandem, einer Sache entgegenwirkt, sich als hinderlich erweist

* www.duden.de

Chris Moser:

„Dieser Widerstand ist breit, bunt und laut.
Dieser Widerstand ist auch schwarz und wütend, und das ist gut so.
Es kann nicht sein, beziehungsweise betrachte ich es als massiven Denkfehler, wenn es Staat und Kapital obliegt, welche Form des Protests als „adäquat“ erachtet wird.“
(aus: „Viva la Rebellion – Ein Aufruf zum Widerstand“ Seite 94)

Die meisten von uns wurden bestimmt schon einmal von anderen als radikal, missionierend oder militant bezeichnet, wenn wir ganz begeistert von leckerem veganen Essen schwärmten, oder unser Unverständnis bzw. Abneigung dazu erkennen ließen, wenn andere um uns herum so stoisch bekundeten, sie könnten auf Fleisch, Käse & Co. nie verzichten, das wäre ihnen zu radikal.

Doch was bewegt einen Menschen dazu, wenn dieser tatsächlich für uns radikalere Wege wählt, um sich für die Befreiung von Mensch und Tier gegenüber einem ausbeuterischen, lebensverachtenden und profitgierigen System auszusprechen?
Kaum ein Mensch fängt doch damit an, seinen Protest durch z.B. Brandanschläge zu äußern, oder indem er/sie Einrichtungen/Anlagen dieser Ausbeutungsindustrie zerstört?!
Warum also greifen Aktivist_Innen immer wieder zu so genannten radikalen Methoden, zu Mitteln militanter Symbolik?

Zu selten erhalten wir Einblicke in die Beweggründe solcher Aktivist_innen, um die Möglichkeit zu bekommen, ihr Handeln zu verstehen oder gar zu begreifen. Lediglich durch die selten neutralen und vorurteilsfreien öffentlichen Medienberichte wird uns gelegentlich ein einseitiges Bild dieser Menschen präsentiert.

Mit seinen drei bereits erschienen Büchern „Die Kunst, Widerstand zu leisten“, „M.E.“ und „Viva la Rebellion – Ein Aufruf zum Widerstand“ gibt uns der Künstler und sozialkritische Aktivist Chris Moser eine bisher einmalige Gelegenheit, daran teilzunehmen, was einen Menschen dazu bewegen kann, zivilen Ungehorsam auszuüben, staatliche Repressionen und Einschüchterungsversuche bis hin zum Freiheitsentzug durch Behörden in Kauf zu nehmen, um uns aufzuzeigen, was in und mit diesem gesellschaftlichen und politischen System falsch läuft.

Das fängt mit seinem Erstling „Die Kunst, Widerstand zu leisten“ an. In diesem Erfahrungsbericht schildert Chris Moser seine Zeit in der dreimonatigen Untersuchungshaft, wie es dazu kam, welche kafkaesken Ausmaße die Begründung für diese Beschneidung seiner Menschenrechte angenommen haben und schließlich in einem öffentlich rege beobachteten, grotesken Prozess gipfelten.
Ich musste dieses Buch immer wieder zur Seite legen.
Es hat mich einfach so berührt und erschüttert, mit welcher Unverschämtheit in Chris Mosers Fall – und ebenso bei seinen beschuldigten Mitaktivist_Innen  - versucht wurde, eine moralische Gesinnung, Chris Mosers Kunst und legaler Aktivismus zu kriminalisieren.
Zeile für Zeile können wir im Nachhinein miterleben, wie die ungerechtfertigte Gefangenschaft Chris Moser und seine Familie traumatisiert hat.
Begleitet werden seine Erzählungen in Untersuchungshaft und im Prozess von Chris Mosers selbst angefertigten Zeichnungen und Skizzen.
Auch Fotos von Aktionen und seine Kunstskulpturen, auf die sich die Anklage beruft, sind zur besseren Veranschaulichung im Buch abgebildet.
Auch wenn sich seine Erfahrungen größtenteils in Österreich abspielen, gab es solche Fälle bereits auch in anderen europäischen Ländern, von anderen Staaten weltweit ganz zu schweigen.
Chris Mosers Berichte lassen deutlich erkennen, dass diese staatlichen Repressionen überall stattfinden (können), wo Wirtschaft und Kapital die Politik bestimmen.


Etwa eineinhalb Jahre nach seinem ersten Buch erschien „M.E.“ von Chris Moser. „M.E.“ steht, wie er selber im Buch erklärt, entweder für „Meines Erachtens“ oder für das englische „Me“. Beides passt in jeder Hinsicht.
In diesem Band bringt uns Chris Moser näher, welche Erlebnisse, welche Einflüsse sein Denken, seine Entscheidungen ihn als Mensch, Künstler und Aktivist geprägt haben.
Er nennt Beispiele der Kunstgeschichte, bei denen Künstler aufgrund ihrer Werke politisch verurteilt, verboten und/oder bestraft wurden. Ebenso finden Beispiele anderer sozialpolitischer Aktivist_Innen Erwähnung in diesem Buch, die für ihren Einsatz einen hohen Preis zahlen mussten.
In „M.E.“ verdeutlicht der Autor, welche Aufgaben und Verantwortung er in der Kunst allgemein, auch im Gegensatz zur Politik, und in seiner Kunst  sowie seinem Aktivismus im Speziellen sieht.
Desweiteren stellt Chris Fragen, die er für sich beantwortet hat, auf die wir in unserem unkritischen Denken und Leben vielleicht selbst nicht kommen würden. Doch es lohnt sich für jeden von uns, sich mindestens einmal solche Fragen zu stellen und Antworten zu finden, die möglichst allen gerecht werden und nicht nur sehr bequem für unseren Lebensstil sind.
Denn genau das ist es, was Chris Moser als Künstler und Aktivist zu seinen Werken und Aktionen bewegt. Er möchte sich selbst und uns alle gerne zum Nachdenken und reflektiertem Handeln herausfordern.
Das steckt als Absicht hinter seinen Provokationen.
Es liegt ihm fern, uns Leser_Innen eine Universallösung aufzuerlegen, oder die einzig wahre, allgemeingültige Wahrheit parat zu haben.
Dem Titel seines Buches „M.E.“ getreu, stellt Chris hier einzig die Erkenntnisse seiner persönlichen Erfahrungen, Überlegungen und Wissensaneignungen vor.
Vielmehr wird er uns dazu verleiten, weiter zu recherchieren und zu hinterfragen. Quellen bietet uns dieses und die beiden anderen Bücher allemal!
Mich zumindest haben diese Reflexionen schon sehr beeindruckt. Ich könnte aus diesem Buch eine Seite nach der anderen zitieren.
Ich wünschte sogar, dass dieses Buch für den Schulunterricht (z.B. im Schulfach Ethik) Verwendung finden würde, um unsere Gesellschaft tatsächlich von verschiedenen Standpunkten kritisch zu betrachten.
Doch ich denke, dass wird das bestehende Schulsystem betreffend Wunschdenken bleiben.

Aus „Die Kunst, Widerstand zu leisten“ und „M.E.“ resultiert dann fast schon in logischer Konsequenz sein aktuelles Buch „Viva la Rebellion – Ein Aufruf zum Widerstand“.
„Viva la Rebellion“ ist Chris Mosers Plädoyer, warum es für uns alle so wichtig ist, unser herrschendes Gesellschaftssystem, in dem wir so konform und bequem leben, kritisch zu hinterfragen, Protest zu allen vermeidbaren Ungerechtigkeiten zu äußern und den Widerstand nicht aufzugeben, bis jeglicher Herrschafts - / Unterdrückungs – sowie Ausbeutungsmechanismus abgeschafft wurde und alle Lebewesen in Freiheit, Gleichheit und Selbstbestimmung leben können.
Anhand eigener Aktionen, aber auch Aktionen anderer, die Chris bisher schon unterstützte und anderen Beispielen des legalen Widerstandes gibt er uns Leser_Innen Isnpiration, Anregungen und Ermunterung, auf welch unterschiedliche Weise jede/r aktiv werden kann.

Chris Moser
Chris Moser ist Mensch, ist Ehemann, Familienvater, von Jugend an Künstler und  Aktivist. In vielerlei Ausdrucksmöglichkeiten, ob in Wort, Bild, Skulptur oder Tat findet er immer die richtige Sprache, um genau das aufzuzeigen, was an und in unserer zivilisierten Gesellschaft nicht stimmt.
Gerade in seinem Buch „M.E,“ zeigt sich meines Erachtens, dass in Chris Moser zudem noch ein Philosoph und Anthroploge verbirgt.
In seinen drei bisher erschienen Büchern (alle mit Abbildungen von seinen Aktionen, seinen Kunstwerken und anderem angereichert) wird sehr deutlich, welch ein sensibler, intelligenter, empathischer und reflektierter Feingeist in diesem Autoren steckt – eine alles andere als kriminelle und  gemeingefährliche Person.
Diese Bücher zeigen aber auch, wie schnell unser Recht auf Meinungsfreiheit in Frage gestellt wird und Versuche des friedlichen Widerstandes tatsächlich in einen Akt der Kunst ausarten, wenn Staatsmacht und Staatsgewalt schon eine kritische Einstellung zu Politik und Gesellschaft kriminalisieren können.
Sein Leben, sein Wirken und Herausfordern mögen vielleicht als unbequem erscheinen, den einen oder die andere möglicherweise sogar schockieren, doch sind sie dafür umso ehrlicher und authentischer, ohne jedwede Egozentrik und Geltungssucht!

Am Ende muss ich mich selber fragen, wieso wir alle so lange stillhalten und ein Leben mit Scheuklappen führen konnten.

Ich kann es nur als Bereicherung empfinden, sich mit Menschen, wie Chris Moser, auseinander zusetzen
Es wird uns nicht abschrecken, Widerstand zu leisten und Protest zu äußern.
Vielmehr werden wir erkennen, warum es so wichtig ist, nicht nur eine Veränderung unseres Gesellschaftssystems zu fordern, wenn wir selber darunter zu leiden haben, sondern uns auch vor allen Dingen für andere Lebewesen (auch nichtmenschliche) einzusetzen, selbst wenn es uns noch gut geht.
Dazu möchte ich mich Chris Moser anschließen, der in „M.E.“ den niederländischen Schriftsteller, Liedermacher und Sänger Hermann van Veen zitiert: „Wer schweigt, stimmt zu!“ (Seite 24).
Ich würde auch sagen, sich nicht für das Wohlergehen anderer stark zu machen, sondern wider besseren Wissens untätig wegzuschauen gleicht unterlassener Hilfeleistung.

Aber lest selbst und lasst euch zumindest zum Nachdenken herausfordern!
Vielleicht wollt ihr euch dann auch weiter über politischen Aktivismus informieren, wie lange bereits in schriftlichen, mündlichen Appellen und friedlichen Demonstrationen eine Veränderung unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft zu Gunsten unschuldig beeinträchtigter Lebewesen gefordert wird.... und wie lange schon diese Appelle und Demos an den verantwortlichen abprallen.
Und dann entscheidet gerne nochmal, welche Handlungen eurem Empfinden nach radikal, militant, kriminell oder einfach konsequent sind und was ihr wirklich unter dem Begriff „Ideologie“ verstehen wollt.

Mehr von und über Chris Moser, seine Kunst und Aktionen auf: www.radikalkunst.net

Chris Moser 1. Buch:
Titel: "Die Kunst, Widerstand zu leisten""
Verlag: Kyrene Verlag
ISBN: 978 3 90000991 5
Seiten: 400, zahlreich bebildert, Klappbroschur, Preis: 15,90 Euro
Chris Moser 2.Buch:
Titel: "M.E."
Verlag: Kyene Verlag
ISBN: 978 3 90287336 1
Seiten: 122, zahlreich bebildert, gebunden, Preis: 12,50 Euro
Chris Moser 3. Buch:
Titel: "Viva la Rebellion - Ein Aufruf zum Widerstand"
Verlag: Kyrene Verlag
ISBN: 978 3 90287358 3
Seiten: 122, zahlreich bebildert, Klappbroschur, 12,50 Euro

 Fotos:
@Jacqueline Korber
@Alexander Kasztler
@Tom Putzgruber
@Polizei Wörgl
@Gabriela Kompatscher-Gufler

Bildergalerie

Über den/die Autor/in:

Linda

Linda

Hey, ich bin Linda. 1979 wurde ich in Berlin geboren und auch nachdem meine Familie mit mir 1989 nach Nordrhein Westfalen zog, wo ich auch immer noch lebe, schlägt in mir ein Berliner Herz, was man deutlich hören kann, sobald ich mich aufrege. Seitdem ich meiner selbst bewusst bin, gehört meine Liebe und die Wertschätzung der Tiere als gleichberechtigte Lebewesen für mich zu meiner Welt dazu.

Und doch brauchte es rund 35 Jahre, ehe ich im Jahre 2014 erkannte, dass ich mit der veganen Lebensweise endlich selbst meinen eigenen Anteil am Unrecht, den wir Menschen tagtäglich an den Tieren begehen, auf ein unvermeidliches Minimum reduzieren kann....

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